Dieselmotorradtreffen Hamm 2008
Aus Dieselkradwiki
Quo vadis, Diesel?
Venio Hamm iterum admirari.
Insbesondere wer sich am Freitag, den 12. September nach Hamm zur 8ten Auflage unseres Dieselmotorradtreffens aufmachte, der bekam mit ziemlicher Sicherheit den Arsch nass. Und das kräftig. Das hat uns kanz klar vor neuen Besucherrekorden gerettet. Leer und Langweilig war es aber trotzdem nicht. So gab es auch in diesem Jahr wieder frische Eigenbauten zu begutachten, Kontakte zu knüpfen und ich denke auch schon gewachsene Freundschaften zu pflegen. Ausserdem sind Reinhard und Dieter gesund und munter von ihrer erfolgreichen West-Ost Russlanddurchquerung mit Dieselmotorrädern zurück. Mit unglaublichen Bildern im Gepäck und reichlich Geschichten fürs Lagerfeuer.
Da wir hier kein Privatsender sind, geht es hier gleich mit den Highlights los. Die erste verdieselte Harley, welche ich persönlich je gesehen habe war die Punsun Sportster von Mark aus England mit Punsun V2 und Variomatik. Mit dieser Maschine hatte er Anfang des Sommers schon den "Big Knock" in England besucht, und sich jetzt auch nach Hamm gewagt. Letzendlich skurril, da ist die Harley das "andere" Motorrad mit einem seperaten Getriebe, welches sich daher zum verdieseln eignet, da "nur" der Motor getauscht werden muss, und bei der Sportster wurde dieses jedoch gegen eine Variomatik getauscht. Die nächste Schönheit stand gleich ein paar Meter weiter auf der nassen Wiese. Das eigene Logo auf dem Tank gibt dem Gespann den Namen Bröker 1.0 TD. So etwas kann passieren, wenn die bewährten Komponenten BMW K100-Gespann und Daihatsu-Dreizylinder auf hardwerkliches Können, Polierpaste und Ausdauer aufeinandertreffen. Ein Motorrad mit Professionellem Finish, das einen einfach aus den Socken haut.
Von Heiko Fleck und seinen Motorrädern hatten wir schon viel gehört. Denn er z.b. war es wahrscheinlich, der in Europa die erste Harley überhaupt mit einem Dieselmotor bestückt hat. Warum sich das vorher niemand sonst getraut hat ist unbekannt. Und genau diese Softtail mit Punsun hat es 2008 auch endlich nach Hamm geschafft. Doch damit nicht genug. Denn Heiko ist bekanntermassen ruhelos. Mir persönlich ist es ein Rätsel, wie er das Pensum schafft. Jedenfalls hat er uns eine weitere Harley mit einem Dreizylinder Lombardini mitgebracht. Zwischenzeitlich hat er schon wieder mindestens zwei Triumph Tiger verdieselt, wenn ich das recht Überblicke.
Heikos Punsun-Harley war nicht nur die erste bekannte in Europa verdieselte Harley überhaupt, sondern auch eine der ersten Maschinen die einen Motor aus chinesischer Produktion verwendet. Allein aus Kostengründen war abzusehen, das es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch andere Experimente mit dem Diesel-V2 aus China gemacht werden. Bernhard Leitner, uns allen bekannt als Geburtshelfer des Dieselwiesels, stellte uns sein V2 Chopper-Experiment vor.
Noch etwas optischen Feinschliff braucht das neue Gespann von Rolf Tuscher. Dafür hat er jetzt Leistung im Überfluß, denn Rolf verwendet den 1.4l TDI eines VW Lupo und sein Gespann dürfte damit das zweite fahrbereite Gespann überhaupt mit diesem Motor sein. Das Team Vahrenkamp aus Melle zeigt uns die auf dem Baumuster der Hatz-Enfield aus dem Hause Sommer basierende Vahrenkamp Diesel in schönem Chromfinish. Für Freunde echter Klassiker fand sich die [Major Diesel] getaufte Ardie wieder einmal auf dem Platz.
Ebenfalls aus der Werkstatt von Heiko Fleck stammt die Enfield mit dem 505cm³ Ruggerini. Noch einmal ein PS mehr als der 462cm³ Hatz oder der 440³ Lombardini. Gemeinschaftlichen Fahrberichten nach ist dieses eine PS tatsächlich spürbar, sind ja auch immerhin auch knapp 10% mehr Leistung und Hubraum. Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es auch immer noch Überlebende der Gattung [Centaurus]. Ewig Leben wird hoffentlich Wims wunderbare K100TD, deren diesjähriges blaues Lackkleid ihr deutlich besser steht als das grelle Pink der Vergangenheit.
Wim hat uns auch wieder sein zweites Spielzeug mitgebracht. Natürlich wieder ein Daihatsu. Leider gab es auch unerwünschtes zu begutachten. Und zwar die gebrochene Kurbelwelle eines Punsun V2. Das zwiespältige Verhältnis zu den günstigen Motoren aus China scheint nicht ganz unbegründet zu sein. Immer wieder gern gesehen, und in diesem Jahr mal ohne Anhänger auf dem Platz war das Dieselross.
Ebenfalls ein immer wieder gern gesehener Gast ist Hubert Teller mit seiner MoDiTe1. Wahrscheinlich zum letzten mal haben wir Dave aus England mit "Sluggy" gesehen. Aber nur weil Dave sich zwischenzeitlich von Heiko eine der Triumph mit Lombardini-Dreizylinder hat bauen lassen. Ganz neu war auch "Gustav", im ersten Leben eine Kawasaki GPZ, jetzt von einem Einzylinder befeuert, der seine Kraft über eine Variomatik an das Hinerrad leitet.
Zwei weitere Vertreter aus der Reihe der gern gesehenen Widerholungstäter sind die extra großen Einzylindergespanne Hatz-Bulldog und die Dieselmax. Zu den Neuankömmlingen zählte die in doppeltem Sinne Solo-Dnepr. Jean aus Frankreich brachte uns erneut erneut seine [Elektra HDI] mit. Stuart, der Organisator des britischen Dieseltreffens, erreichte das Treffen mit seiner neuen RuggerField, Enfield meets Ruggerini-Twin. Die Maschine ähnelt nicht nur im Namen sehr dem [Ruggefield] Baumuster von Henk Hipfel, ist aber eigenständig in England entstanden.
Und jetzt? Was soll das ganze eigentlich und wie geht es weiter? Natürlich geht es weiter, denn es sind zum einen noch lange nicht alle Ideen und Möglichkeiten ausgeschöpft, zum anderen haben wir mitlerweile Motorräder mit denen man sich nicht nur bei deren Bau beschäftigen kann, sondern selbige sind z.b. auch erwiesenermassen Fernreisetauglich.
Warum allerdings Dieselmotorräder gebaut oder gekauft und gefahren werden ist erstaunlich vielfältig. Irgendwo zwischen ernsthaften Weltverbesserungsidealen und Modelleisenbahn auf zwei Rädern gibt es reichlich Graustufen. Glücklicherweise sorgt das auf Dauer für Unterhaltung und Modellvielfalt. Die Industrie schläft größtenteils und freundlicherweise weiterhin, und zwingt uns damit zum weitermachen. Honda verkauft seine 125er Innova zwar offensichtlich bestens hier in Deutschland, und das ohne diese zu bewerben. Doch ein sparsames und vernünftiges Motorrad allein auf dem Markt sorgt nocht nicht für einen einbruch beim Dieselboom. Damit will ich enden und einfach auffordern: "Weitermachen!"
